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Pressemitteilung vom 30.06.2010

Freistaat Bayern und Deutsche Bahn vereinbaren Aktionsprogramm zur Qualitätsverbesserung

Zeil: „Neues Aktionsprogramm bringt spürbare Verbesserungen im SPNV“

MÜNCHEN. Der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn AG (DB) ziehen bei der weiteren Verbesserung des Schienenpersonennahverkehrs an einem Strang. Dazu wurde gestern ein gemeinsames Aktionsprogramm mit konkreten Maßnahmen verabschiedet. Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil: „Im Bahnland Bayern erwarten die Fahrgäste zu Recht einen attraktiven Schienenpersonennahverkehr. Ich begrüße daher die Bereitschaft der am Runden Tisch beteiligten DB-Bahnunternehmen, die Qualität des bayerischen Nahverkehrs mit einem umfassenden Aktionsprogramm gezielt und nachhaltig zu steigern.“

Zum Maßnahmenbündel zählen unter anderem Investitionen in Infrastruktur und Fahrzeuge, die die negativen Auswirkungen des Winters verringern, eine stabilere Leit- und Sicherungstechnik der Münchner S-Bahn sowie eine deutlich verbesserte Fahrgastinformation. Der Freistaat Bayern unterstützt die qualitätsverbessernden Maßnahmen mit mehr als zwei Millionen Euro aus sogenannten Pönalemitteln. „Wir waren uns einig, dass die Fahrgäste pünktliche und saubere Züge sowie eine gute Information erwarten dürfen. Ich setze großes Vertrauen in die Verantwortlichen, dass sie die Verbesserungsmaßnahmen engagiert und zügig umsetzen“, betont Zeil. Im Herbst wolle er gemeinsam mit allen Verantwortlichen Bilanz über die Umsetzung und Wirksamkeit der vereinbarten Maßnahmen ziehen. Über diese Maßnahmen hinaus komme dem Bau des 2. Stammstreckentunnels zentrale Bedeutung für eine gesteigerte Betriebsqualität im hochfrequentierten Münchner S-Bahnnetz zu. Im Vorfeld der von Verkehrsminister Zeil und dem Konzernbevollmächtigten der DB für Bayern, Klaus-Dieter Josel, gestern getroffenen Vereinbarung hatte eine Arbeitsgruppe aus DB-Bahnunternehmen, Bayerischer Eisenbahngesellschaft und Bayerischem Verkehrsministerium die Hauptstörungsursachen umfassend analysiert.

Zeil hatte den Runden Tisch im Frühjahr einberufen, nachdem sich im Eisenbahnbereich Qualitätsmängel gehäuft haben. So waren die teilweise chaotischen Zustände im letzten Winter, das Dauerthema Betriebsein-schrän kungen bei der S-Bahn München im Herbst, die Abschaltung der Neigetechnik in Nordbayern und die schon zum Regelfall werdenden Notprogramme bei neuen Betriebsaufnahmen für die Reisenden nicht mehr länger hinnehmbar. „Wenn zu den Betriebsstörungen auch noch unzureichende Informationen kommen, dann reicht es dem Fahrgast irgendwann. Ich bin daher sehr froh, dass die Bahn diese Themen jetzt gezielt angehen wird“, so Zeil.

Über das Maßnahmenpaket hinaus fordert der Verkehrsminister die Bahn auf, sich auch um die Sanierung von Bahnhofsgebäuden und die Optimierung der Werkstattkapazitäten zu kümmern, um Ausfälle bei der Fahrzeugflotte zu reduzieren. „Hier ist unternehmerische Eigeninitiative gefordert. Denn ein erfolgreicher und attraktiver Nahverkehr in Bayern liegt schließlich im Interesse aller Beteiligten. Der Freistaat, die Kunden und die Unternehmen profitieren davon gleichermaßen“, so Zeil abschließend.

Aktionsprogramm zur Verbesserung des SPNV – Maßnahmenliste

Bereich Schieneninfrastruktur

Reduzierung von Infrastrukturbeeinträchtigungen bei winterlichen Witterungsverhältnissen durch

  • Sonderinspektionen der Weichen
  • Erprobung neuer Frostschutzmittel
  • Punktuelles Nachrüsten stärkerer Weichenheizungen, Weichenabdeckungen und Verschlussfachheizungen
  • Betriebliche Maßnahmen bei angekündigtem starkem und weiträumigem Schneefall

Erhöhung der Betriebsstabilität der Leit- und Sicherungstechnik auf der Münchner S-Bahn-Stammstrecke durch

  • Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Leitungswege
  • Einbau von Redundanzen (Rückfallkonzepten bei Ausfall der Stellwerksrechner)
  • Konsequente Fehlerdiagnose und -beseitigung bei bestehenden Rechnern

Bereich Bahnhöfe

Verbesserung des Winterdienstes durch

  • Sorgfältige Auswahl leistungsstarker Subunternehmen
  • Konsequente Qualitätskontrolle
  • Verbesserte Meldekette bei ungeräumten Bahnsteigen Verbesserung der Reisendeninformation durch
  • Ausstattung kleiner Stationen mit dynamischen Schriftanzeigern
  • Personeller Aufstockung und organisatorische Optimierung der Ansagezentren
  • Pilotprojekte ‚Kundeninformation im Störungsfall’ und ‚Baustellenkommunikation’ für Regionalverkehr und S-Bahnen, die vom Freistaat Bayern mitfinanziert werden

Verbesserung des Erscheinungsbildes der Bahnhöfe durch

  • Einsatz einer mobilen Graffitibeseitigungseinheit
  • Vermehrte Ausstattung von Bahnhöfen mit Videokameras zur Graffitiprävention

Bereich Nahverkehr

Beseitigung gravierender Beeinträchtigungen im Betrieb (gemeinsam mit Fahrzeugherstellern und/oder Eisenbahnbundesamt) durch

  • Wiederinbetriebnahme der abgeschalteten Neigetechnik in Nordbayern zum Dezember
  • Herstellung der uneingeschränkten Wintertauglichkeit der Kupplungen beim Fugger-Express
  • Zügige Inbetriebnahme der Neufahrzeuge zwischen München und Passau und im Raum Würzburg
  • Restriktionsfreien Betrieb der Fahrzeuge der S-Bahn München auch in den Herbstmonaten durch technische Umrüstung

Erhöhung der Betriebsstabilität der S-Bahn München durch laufende Optimierung der Betriebsabläufe am Ostbahnhof

Erhöhung der Pünktlichkeit der S-Bahn München im Regelverkehr durch Beschleunigung der Fahrgastwechsels und des Abfertigungsverfahrens

Verbesserung des Erscheinungsbildes durch vom Freistaat Bayern mitfinnanzierte Redesignmaßnahmen an den vorhandenen Fahrzeugen (Erneuerung Toilettenanlagen, Grundreinigung, graffitiresistenter Schutzlack)